Schimmel im Altbau entsteht fast immer dort, wo Feuchtigkeit auf eine kalte Oberfläche trifft oder dauerhaft von außen eindringt. Typische Ursachen sind Wärmebrücken an Ecken und Laibungen, neue, dichte Fenster ohne angepasstes Lüftungsverhalten, aufsteigende Feuchtigkeit im Mauerwerk und undichte Dächer oder Leitungen. Dauerhaft hilft nur, die Ursache zu beseitigen und den Befall fachgerecht zu entfernen. Überstreichen löst das Problem nicht.
Zuerst die Ursache, dann der Befall
Schimmel ist ein Symptom. Wer nur den Fleck entfernt, sieht ihn nach einigen Wochen wieder. Die erste Frage lautet deshalb: Woher kommt das Wasser?
Feuchtigkeit von innen. Kochen, Duschen, Wäschetrocknen und Atmen geben Wasserdampf an die Raumluft ab. Trifft diese Luft auf eine kalte Wand, kondensiert sie. Das passiert besonders an Außenwandecken, hinter Möbeln an Außenwänden, an Fensterlaibungen und in schlecht beheizten Schlafzimmern.
Feuchtigkeit von außen oder unten. Schlagregen durch eine schadhafte Fassade, ein undichtes Dach, defekte Regenrinnen oder aufsteigende Feuchtigkeit in Wänden ohne funktionierende Horizontalsperre. Im Erdgeschoss und Souterrain ist das häufig, im Keller ohnehin (siehe Feuchter Keller im Altbau).
Feuchtigkeit aus Leitungen. Ein kleines Leck in einer Wasser- oder Heizungsleitung kann über Monate unbemerkt Wände durchfeuchten.
Ein Hinweis auf die Ursache ist das Muster: Schimmel in den oberen Raumecken und hinter Schränken deutet eher auf Kondensation hin, ein feuchter Sockelbereich mit Salzausblühungen eher auf aufsteigende Feuchtigkeit.
Warum es nach Sanierungen oft schlimmer wird
Viele Eigentümer erleben Schimmel erstmals nach einer Modernisierung. Der Grund: Alte Kastenfenster und undichte Fugen haben ständig Luft ausgetauscht. Neue Fenster sind dicht. Die Feuchtigkeit bleibt im Raum und sucht sich die kälteste Fläche. Wurden die Fenster getauscht, die Außenwand aber nicht gedämmt, ist diese kälteste Fläche oft die Laibung neben dem neuen Fenster.
Für Fenstertausch und andere Arbeiten, die die Dichtheit eines Gebäudes erhöhen, sieht die Norm DIN 1946-6 ein Lüftungskonzept vor. Das kann regelmäßiges Lüften, Lüftungselemente im Fenster oder eine Lüftungsanlage bedeuten. Wichtig ist, dass jemand darüber nachgedacht hat, bevor die Fenster eingebaut sind.
Den Befall richtig entfernen
Kleine, oberflächliche Stellen auf glatten Flächen lassen sich mit geeigneten Mitteln selbst behandeln. Größere Flächen, Befall in Putz, Tapete oder Dämmung und alles, was nach einem Wasserschaden auftritt, gehört in fachkundige Hände. Befallene Materialien müssen dann oft ausgebaut werden. Das Umweltbundesamt hat einen Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden veröffentlicht, an dem sich Fachbetriebe orientieren.
Vermeiden Sie bei größeren Flächen trockenes Abbürsten. Dabei gelangen Sporen in die Raumluft.
Vorbeugen im Altbau
- Beheizen Sie alle Räume, auch selten genutzte, zumindest mäßig.
- Stoßlüften statt Kipplüften: Ein dauerhaft gekipptes Fenster kühlt die Laibung aus.
- Lassen Sie Möbel an Außenwänden einige Zentimeter Abstand.
- Messen Sie die Luftfeuchtigkeit mit einem einfachen Hygrometer, um ein Gefühl für die Werte zu bekommen.
- Planen Sie bei einer Sanierung Fenster, Dämmung und Lüftung gemeinsam (siehe Haus sanieren: die richtige Reihenfolge).
Wann ein Gutachten sinnvoll ist
Bei wiederkehrendem Befall, bei Streit zwischen Mieter und Vermieter oder vor einem Kauf lohnt eine unabhängige Untersuchung. Dabei werden Oberflächentemperaturen, Wandfeuchte und Raumklima gemessen und mit dem Befallsbild abgeglichen. Das Ergebnis ist eine Aussage über die Ursache, und die braucht man, um die richtige Maßnahme zu wählen: eine Dämmung der Wärmebrücke, eine Abdichtung, eine Leitungsreparatur oder ein geändertes Lüftungsverhalten.
Schimmel bei Verkauf und Vermietung
Beim Verkauf gilt: Bekannte Mängel, die ein Käufer nicht ohne Weiteres erkennen kann, müssen Sie offenlegen. Ein Gewährleistungsausschluss im Kaufvertrag schützt nicht bei arglistigem Verschweigen (§ 444 BGB). Wer kurz vor dem Verkauf Schimmel überstreicht, ohne die Ursache zu beheben, und das nicht offenlegt, geht ein erhebliches Risiko ein. Besser ist, Ursache und erledigte Sanierung zu dokumentieren.
Bei der Vermietung ist Schimmel ein Mangel, der den Mieter zur Minderung berechtigen kann. Streit entsteht meist über die Frage, ob Bausubstanz oder Wohnverhalten verantwortlich ist. Ein Mieterwechsel ist eine gute Gelegenheit, verdächtige Stellen untersuchen zu lassen, bevor sie bei der Renovierung überstrichen werden.