Gegen einen feuchten Keller hilft nur, was zur Ursache passt. Deshalb steht am Anfang eine Diagnose: Ist es Kondenswasser aus der Luft, Feuchtigkeit aus dem Erdreich, aufsteigende Nässe im Mauerwerk oder ein Leck? Kondensat lässt sich oft durch richtiges Lüften und Heizen beheben; gegen Bodenfeuchte und drückendes Wasser braucht es eine Abdichtung von außen oder innen, gegen aufsteigende Feuchte eine Horizontalsperre. Wer ohne Diagnose abdichtet, bezahlt womöglich für die falsche Lösung.

Die vier häufigsten Ursachen

Sommerkondensat. Im Sommer ist die Außenluft warm und trägt viel Feuchtigkeit. Wird ein kühler Keller tagsüber gelüftet, kühlt sie ab und gibt Wasser an Wände und Boden ab. Das Mauerwerk selbst kann dabei völlig in Ordnung sein. Typisch sind nasse Stellen im Sommer, die im Winter verschwinden.

Bodenfeuchte und Sickerwasser. Wasser aus dem Erdreich dringt seitlich durch Kellerwände, die außen nicht oder nicht mehr abgedichtet sind. Bei vielen Altbauten wurde nie eine Abdichtung nach heutigem Verständnis aufgebracht.

Drückendes Wasser. Liegt der Keller im Grundwasser oder staut sich Wasser am Gebäude, wirkt Druck auf Wände und Sohle. Das ist der anspruchsvollste Fall und braucht eine besonders sorgfältige Planung.

Aufsteigende Feuchtigkeit. Fehlt im Mauerwerk eine horizontale Sperrschicht, zieht Feuchtigkeit kapillar nach oben, teils bis ins Erdgeschoss. Erkennbar an einem feuchten Sockelbereich und an Salzausblühungen, die Putz und Farbe abplatzen lassen.

Daneben gibt es banale Ursachen, die man zuerst ausschließen sollte: verstopfte Fallrohre, ein Gefälle des Geländes zum Haus hin, eine defekte Leitung.

Wie eine Diagnose aussieht

Ein seriöser Fachbetrieb oder Sachverständiger misst, bevor er empfiehlt. Dazu gehören Feuchtemessungen in unterschiedlichen Wandtiefen, gegebenenfalls Bohrkernproben, eine Salzanalyse, ein Blick auf Gelände, Entwässerung und Dachrinnen sowie Fragen nach dem Jahresverlauf. Wird Ihnen nach einem kurzen Blick ein bestimmtes Verfahren verkauft, sollten Sie eine zweite Meinung einholen. Bei der Wahl helfen die Hinweise unter Handwerkerangebote richtig vergleichen.

Die Lösungen im Überblick

Lüften und Heizen

Bei Kondensat ist die günstigste Lösung oft die richtige: im Sommer nur in kühlen Nacht- oder Morgenstunden lüften, den Keller leicht temperieren, keine Wäsche im Keller trocknen. Ein Hygrometer zeigt, ob sich etwas ändert.

Außenabdichtung

Das Erdreich wird bis zum Fundament freigelegt, die Wand gereinigt, abgedichtet und meist mit einer Dränage oder Schutzschicht versehen. Das schützt das Mauerwerk selbst und gilt als gründlichste Lösung. Sie ist aufwendig, besonders wenn Terrassen, Wege oder Nachbargebäude im Weg sind.

Innenabdichtung

Die Abdichtung wird von innen aufgebracht. Das Wasser bleibt in der Wand, kommt aber nicht in den Raum. Sie ist weniger aufwendig, eignet sich aber nicht für jeden Fall, und das Mauerwerk bleibt durchfeuchtet.

Horizontalsperre

Gegen aufsteigende Feuchtigkeit wird nachträglich eine Sperre ins Mauerwerk gebracht, entweder durch Injektion eines Mittels in Bohrlöcher oder mechanisch durch Einschneiden einer Sperrschicht. Welches Verfahren passt, hängt von Mauerwerk, Feuchtegrad und Salzbelastung ab.

Sanierputz

Sanierputze nehmen Salze auf und lassen Feuchtigkeit verdunsten. Sie ergänzen eine Abdichtung, ersetzen sie aber nicht.

Wie der Keller später genutzt wird

Die Entscheidung hängt auch davon ab, was der Keller künftig sein soll. Ein Lagerkeller für Fahrräder und Getränkekisten verträgt eine gewisse Restfeuchte, solange sie stabil bleibt und nichts schimmelt. Soll der Keller zu Wohnraum, Hobbyraum oder Büro werden, sind die Anforderungen an Abdichtung, Dämmung und Lüftung deutlich höher, und gegebenenfalls ist eine Genehmigung nötig. Klären Sie das Ziel vor der Abdichtung, damit Sie nicht zweimal investieren.

Was Sie besser lassen

Dichte Farben, Fliesen oder Dämmplatten auf einer nassen Kellerwand verlagern das Problem nur. Die Feuchtigkeit sucht sich einen anderen Weg, oft nach oben. Auch Geräte, die ohne nachvollziehbare Wirkung eine Entfeuchtung des Mauerwerks versprechen, sollten Sie kritisch prüfen.

Feuchter Keller vor Verkauf oder Sanierung

Ein feuchter Keller schreckt Käufer ab und führt oft zu pauschalen Abschlägen. Wenn Sie verkaufen wollen, lohnt es sich zumindest, die Ursache klären und ein Angebot erstellen zu lassen. Bekannte Feuchtigkeitsschäden müssen Sie offenlegen (siehe Haus vor dem Verkauf renovieren). Bei einer Sanierung gehört die Abdichtung an den Anfang, vor Putz, Dämmung und Böden (Haus sanieren: die richtige Reihenfolge).