Was eine neue Elektrik im Altbau kostet, entscheidet sich weniger am Kabel als an drei Fragen: Werden alle Leitungen neu verlegt oder nur Teile? Muss der Zählerschrank mit erneuert werden? Und ist die Wohnung dabei leer oder bewohnt? Ein seriöser Preis entsteht erst, wenn ein eingetragener Elektrobetrieb die Anlage angesehen und ein Angebot nach Stromkreisen, Dosen und Verteilerarbeiten aufgeschlüsselt hat. Planen Sie außerdem Putz- und Malerarbeiten ein, die in vielen Fällen einen großen Teil der Gesamtsumme ausmachen.
Woran Sie erkennen, dass die Elektrik dran ist
Viele Leipziger Altbauwohnungen haben Installationen aus mehreren Jahrzehnten nebeneinander: Gründerzeitreste, DDR-Leitungen, Nachrüstungen aus den Neunzigern. Hinweise auf Erneuerungsbedarf sind vor allem diese:
Es gibt nur zweiadrige Leitungen ohne eigenen Schutzleiter, oft erkennbar an Steckdosen ohne Schutzkontakt oder an einer sogenannten klassischen Nullung. Im Sicherungskasten stecken noch Schraubsicherungen, und ein Fehlerstromschutzschalter fehlt. In Gebäuden aus DDR-Zeiten wurden häufig Aluminiumleitungen verlegt; sie sind nicht per se gefährlich, aber an Klemmstellen empfindlich und erschweren Erweiterungen. Und ganz praktisch: Fliegt die Sicherung, sobald Wasserkocher und Waschmaschine gleichzeitig laufen, reicht die Aufteilung der Stromkreise für heutige Geräte nicht.
Ein einzelnes Merkmal ist noch kein Grund für eine Komplettsanierung. Lassen Sie die Anlage von einem Elektrobetrieb prüfen. Der Prüfbericht ist ohnehin die Grundlage jedes Angebots.
Die Kostentreiber im Einzelnen
Umfang der Leitungserneuerung. Am teuersten ist der vollständige Austausch aller Leitungen, weil dafür Wände und Decken geöffnet werden. Günstiger wird es, wenn sich vorhandene Leerrohre nutzen lassen oder nur einzelne Räume, etwa Küche und Bad, neu angeschlossen werden. In Gründerzeithäusern mit Stuckdecken schränkt der Schutz der Decken die Leitungsführung ein, was Aufwand und Preis erhöht.
Unterverteilung und Zählerschrank. Eine neue Unterverteilung mit Leitungsschutzschaltern und Fehlerstromschutzschaltern gehört fast immer dazu. Ob auch der Zählerschrank erneuert werden muss, hängt davon ab, ob der Bestand die technischen Anschlussbedingungen des Netzbetreibers noch erfüllt. Fragen Sie danach gezielt, denn dieser Posten kann die Rechnung spürbar verändern und erfordert die Abstimmung mit dem Netzbetreiber.
Ausstattung. Mehr Steckdosen, getrennte Kreise für Herd, Waschmaschine und Geschirrspüler, Netzwerkdosen, Außensteckdosen oder Vorbereitungen für eine Wallbox treiben den Preis. Jede Dose ist ein Posten im Angebot. Überlegen Sie vorher, welche Ausstattung zur späteren Nutzung passt; für eine Mietwohnung braucht es selten Smarthome-Technik.
Bewohnt oder leer. In einer bewohnten Wohnung muss der Betrieb Möbel umstellen, abschnittsweise arbeiten und täglich provisorisch Strom herstellen. Das kostet Zeit und damit Geld. Der Leerstand zwischen zwei Mietern oder vor einem Verkauf ist deshalb der günstigste Zeitpunkt.
Folgearbeiten. Nach dem Elektriker kommen Putzer und Maler. Schlitze müssen verschlossen, Wände gespachtelt und gestrichen werden. Diese Arbeiten stehen nicht im Angebot des Elektrikers und werden oft vergessen, wenn Eigentümer zwei Angebote vergleichen.
Ein ausgedachtes Beispiel ohne echte Preise: Zwei gleich große Wohnungen bekommen dieselbe Zahl an Steckdosen. In der einen liegen Leerrohre aus einer früheren Sanierung, die Wohnung steht leer, der Zählerschrank ist in Ordnung. In der anderen müssen alle Wände geschlitzt werden, der Mieter wohnt weiter darin, und der Netzbetreiber verlangt einen neuen Zählerplatz. Die zweite Rechnung wird ein Vielfaches der ersten betragen, obwohl am Ende in beiden Wohnungen dieselbe Ausstattung hängt.
Was gesetzlich gilt
Eine bestehende Anlage, die bei ihrer Errichtung den damaligen Regeln entsprach, genießt grundsätzlich Bestandsschutz. Wird sie erweitert oder wesentlich geändert, müssen die neuen Teile den aktuellen Normen der Reihe DIN VDE 0100 entsprechen, dazu gehört in der Regel ein Fehlerstromschutz für Steckdosenstromkreise. Arbeiten an der Kundenanlage dürfen nach § 13 Abs. 2 NAV nur Installateure ausführen, die beim Netzbetreiber im Installateurverzeichnis stehen. Lassen Sie sich die Eintragung zeigen, wenn Sie Angebote einholen.
Als Vermieter haben Sie zudem eine Verkehrssicherungspflicht. Eine regelmäßige Prüfung der Anlage, etwa ein E-Check, ist für private Vermieter nicht ausdrücklich vorgeschrieben, kann aber helfen nachzuweisen, dass Sie Ihre Pflichten ernst genommen haben.
Lohnt sich die Erneuerung vor Verkauf oder Vermietung?
Vor einer Vermietung lohnt sie sich fast immer, wenn die Anlage die oben genannten Schwachstellen hat. Sie vermeiden spätere Mängelanzeigen, Mietminderungen und Notfalleinsätze in einer bewohnten Wohnung, die deutlich aufwendiger sind als Arbeiten im Leerstand.
Vor einem Verkauf ist die Rechnung offener. Käufer eines Altbaus planen oft ohnehin eine eigene Sanierung und bezahlen eine neue Elektrik nicht unbedingt mit, besonders wenn sie danach selbst Grundrisse verändern wollen. Sinnvoll ist sie, wenn sonst Sicherheitsmängel bestehen oder wenn die Wohnung gerade wegen ihres fertigen Zustands verkauft werden soll. Ein aktueller Prüfbericht des Elektrikers ist in beiden Fällen eine günstige Alternative: Er nimmt Kaufinteressenten Unsicherheit, ohne dass Sie die Arbeiten vorfinanzieren. Mehr zur Abwägung steht unter Haus vor dem Verkauf renovieren.
So kommen Sie zu belastbaren Angeboten
Holen Sie mindestens zwei Angebote auf derselben Grundlage ein: gleiche Zahl an Stromkreisen und Dosen, klare Aussage zum Zählerschrank, Angaben dazu, wer Schlitze verschließt. Wie Sie Angebote nebeneinanderlegen, erklärt Handwerkerangebote vergleichen. Wenn gleichzeitig Bad oder Böden erneuert werden, gehört die Elektrik an den Anfang der Ausbauphase, nicht ans Ende; die Reihenfolge der Gewerke steht unter Haus sanieren: die richtige Reihenfolge. Für selbst genutzte Wohnungen lässt sich ein Teil der Arbeitskosten steuerlich geltend machen, siehe Handwerkerkosten absetzen.